Über Sternenkäfer
Hast du dich schon mal gefragt, was eigentlich diese hellen Punkte am Himmelszelt sind? Ja ich weiß, dass man sie Sterne nennt, aber hast du dich mal gefragt, was das eigentlich sein soll? Ich meine für dich sehen sie ja nur wie weiße Punkte auf einem schwarzen und manchmal dunkelblauen Hintergrund aus. Von Nahem kriegen wir sie ja nie zu sehen. Ich glaube, da würden uns die Augen geblendet. Ein ziemliches Mysterium wenn du mich fragst.
Nun für mich nicht, denn das ist eines der Privilegien, die ich als intergalaktischer Raumzauberer genieße. Ich weiß wie sie von Nahem aussehen. Soll ich es dir verraten? Das leuchtende Ding, das du da am Himmel siehst ist im Grund nur ein Teil, genauer gesagt ein Hinterteil.
Das leuchtende Hinterteil eines gigantischen Glühwürmchens. Ja, du hast richtig gelesen. Die Sterne, die du bei Nacht siehst, sind Käfer - Sternenkäfer. „Aber das kann doch garnicht sein!“, wirst du protestieren, „Glühwürmchen bewegen sich doch sehr schnell und die meisten Sterne bewegen sich überhaupt nicht.“ Ja, da hast du recht! Das sind die faulen Sternenkäferchen, die sich ausruhen von ihrem schnellen Flug und das tun sie eben nachts an ihrem ganz bestimmten Lieblingsort, zu dem sie immer wie ein Uhrwerk pünktlich zurückkehren. Manche von ihnen sind aber auch Nachts noch voller Energie und jagen über das Himmelszelt. Du kennst sie als Sternschnuppen.
„Und was essen diese Sternenkäfer?", fragst du dich bestimmt. Gute Frage! Weißt du, was Glühwürmchen fressen? Ich weiß es auch nicht. Ich bin Raumzauberer und kein Biologe... Vielleicht weiß ja Felix mehr?! Sie sind jedenfalls nicht unsterblich. Davon können wir dir ein Lied singen. Das ist ja genau das Problem, weswegen Felix und ich in diesem Schlamassel stecken!
„Warum muss genau hier, am entlegensten Ort der kosmischen Höhle unser Sternen Käfer krepieren?", jammerte Felix, der am Rande seiner fliegenden Insel stand und fassungslos den auf dem Rücken gedreht schwebenden Sternen Käfer anstarrte. Riesige Stahlketten verbanden den Leuchtkäfer mit unserer Insel. Wir hatten uns im Schlepptau durch den Weltraum ziehen lassen. Das war zwar nicht die eleganteste Art der Fortbewegung, jedoch die sicherste und da mein Lehrling die Translokationszauber noch nicht beherrschte die einzige Möglichkeit, die uns blieb.
„Blubb!", kam es mir über die Lippen. Mein Goldfischglas stand auf einem Baumstumpf, dessen Wurzeln sich durch die Klippen der Insel gruben. Vor mir war nichts als die Leere des Raumes und der Kadaver des Sternen Käfers. Weit entfernt funkelte seine quicklebendigen Artgenossen.
„Du meinst ich soll da hinaufklettern?", fragte Felix in ungläubigen Ton. „Blubb.", erwiderte ich. „Ach daher kommt also der Sternenstaub! Dann ist das nicht der erste tote Sternenkäfee, den du zu Gesicht bekommst?" „Blubb!"

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