Von der Magie

 

Flaute! Nichts ging mehr! Felix und ich waren auf unserer fliegenden Insel mitten im Weltraum stehen geblieben. Es gab nichts zu tun, außer die Langeweile zu besiegen. Und was für ein Gegner sie war. Der Endgegner der Endgegner. Sie verlangte einem alles ab. Fleiß, Geschick, Kreativität und Elan. Nichts davon hatte ich und so trieb ich träge mit dem Bauch nach oben in meinem Goldfischglas.

Simon räumte währenddessen die gesamten Möbel unseres Leuchtturmes von der einen zur anderen Seite. Er war fest davon überzeugt sie störten mit ihrer Strahlung das feine Gleichgewicht seines Teleportationskreises, den er mit allen Grundfarben auf die Dielen des Wohnzimmers gemalt hatte. Eine der Farben ließ er jedoch weg, womit es nur noch 5 waren: Cyan-, magenta-, gelb-, rot- und grün-leuchtende Runen schimmerten im Kerzenlicht.

„Blubb!", ermahnte ich ihn. Simon rechtfertigte sich: „Ja ich weiß, das Ultramarin fehlt, aber ich finde es immer noch viel zu riskant mit dem dunkelblauen Gott einen Pakt einzugehen, wo wir doch so tief in den Cosmos vorgedrungeb sind. Wie du sagtest, er ist der Gott aus der Tiefe. Er hat einen zu großen Vorteil in unserer Lage, als dass er sich auf einen billigen Handel einlassen würde. " „Blubb!! entgegnete ich. „Ja, das meine ich und so lange ich nicht eure Fähigkeiten besitze, großer Meister, werde ich mich nicht in eine so waghalsige Aktion stürzen." 

An dieser Stelle sei einmal die Magie der kosmischen Höhle erklärt. Oder zumindest so wie ich und Felix sie wirken können, denn das ist ja bekanntlich nicht überall so möglich. Auf eurem Planeten, liebe Leser, scheint es ja so etwas nicht zu geben, aber vielleicht irren sich da ja meine Augenzeugen und tun wahre Magie als Trickserei von Gauklern ab. 

Wie dem auch sei, Magie, wie sie die intergalaktischen Raumzauberer wirken, ist nichts weiteres, als ein Pakt mit den Göttern. Ein extrem ausgeklügelter Vertrag, der die Aufmerksamkeit einer gewünschten Gottheit mit hohlen Versprechungen und abenteuerlichen Geschwätz anlockt. Auf den restlichen Seiten eines Zauberbuches, das man zum Wirken eines bestimmten Zaubers nutzt, ist lediglich das Kleingedruckte. Eine gigantische Sammlung an Zusatzklauseln, Ausnahmeregelungen und Unter-, Über- und Hinter-paragraphen, die selbst ein Gott sich zu schade war durchzulesen… zu Gunsten des Zauberers. Denn der sicherte sich mit seinem divinistisch-juristischem Geschwafel vor jedweder Verantwortung ab und war somit nur noch Profiteur vom Handel und erlangte somit die göttliche Macht ohne seinen Teil der Abmachung einhalten zu müssen. Umso mächtiger der Zauberspruch, umso komplizierter war der Vertrag und umso dicker letztendlich das Buch. Beim eigentlichen Ritual genügte es den Hauptparagraphen feierlich vorzutragen, der Rest des Buches war also lediglich dafür da, ungehaltene Götter davon abzuhalten, ihren Teil der Abmachung einzufordern.

Wer also eine große Auswahl an Zaubersprüchen parat haben will, hat lieber starke Schultern für den Rucksack voller Bücher und er sollte sie alle gelesen und vor allem verstanden haben. Zwei wesentliche Aspekte, die mein Lehrling, Felix gerne mal vergaß.


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